Neue Verfassung für Kenia
August 29, 2010Kenia hat in der vergangenen Woche eine neue Verfassung erhalten. Am Freitag gab es daher eine Zeremonie in Nairobi. Die neue Verfassung wird als das wichtigste Ereignis in diesem ostafrikanischen Land seit der Erlangung der Unabhängigkeit von Großbritannien vor fast 50 Jahren angesehen.
Nachdem es vor zweieinhalb Jahren bei der Präsidentschaftswahl noch Unruhen mit mehr als Tausend Toten gegeben hatte, ist die neue Verfassung ein Zeichen dafür, daß die Machtverteilung zwischen Präsident Mwai Kibaki und Premierminister Raila Odinga nun zu funktionieren scheint und die schrecklichen Ereignisse in Kenia vom Dezember 2007 wohl glücklicherweise keine Wiederholung haben werden.
Aus Anlaß der Feierlichkeiten zur Verabschiedung der Verfassung war auch der sudanesiche Präsident Omar al-Bashir als Staatsgast in Kenia. Er wird im Zusammenhang mit den Kriegsverbrechen in Darfur vom Internationalen Strafgerichtshof gesucht, Kenia hat sich aber geweigert, ihn festzunehmen, als er jetzt in Kenia eintraf.
Es ist kein guter Stil der “Tagesschau”, die in den deutschen Fernsehnachrichten nur über das Thema Omar al-Bashir berichtete, und die neue Verfassung in Kenia in diesem Zusammenhang mit keinem Wort erwähnte. Sicher, Darfur und der Sudan sind wichtige Themen, und im Rahmen einer Berichterstattung über die Feierlichkeiten in Nairobi hätte man den Staatsbesuch durchaus problematisieren können, nein, müssen. Aber *nur* über Omar al-Bashir zu berichten, und die guten Nachrichten aus Kenia völlig zu ignorieren, ist schlechter Journalismus.
Kreditkarte
August 25, 2010Die Welt ist schon seltsam.
Gerade erhielt ich einen Anruf meiner Kreditkartenfirma. Ich hatte mich über eine Erhöhung der Gebühren beschwert, eine allgemeine Änderung, wohlgemerkt, die alle Kunden betrifft. Man hat die Gebührenerhöhung zwar nicht generell zurückgenommen, aber mir “wegen meiner Beschwerde” die nächste Jahresgebühr von 40 EURO erlassen.
40 Euro gespart. Aber komisch. Kunden, die sich nicht beschweren, sondern alles brav zahlen, bekommen keine 40 Euro erlassen. Ist das gerecht?
Die DB-Lounge - Der neue Wartesaal am Bahnhof
August 23, 2010Vor ein paar Monaten erhielt ich einen Brief von der Deutschen Bahn AG. Ich bin seit vielen Jahren Besitzer einer BahnCard und erhalte daher gelegentlich Werbung dieses deutschen Transportunternehmens. Der Brief hat mich zunächst also nicht sonderlich überrascht.
Doch diesmal war der Brief anders. Dicker, aufwendiger aufgemacht. Ein Hochglanzbroschüre - und eine schicke, silber-graue BahnCard. “Bahn.comfort” stand drauf. Sie war meine Eintrittskarte in die Welt der Reichen und Schönen.
Erst vor wenigen Wochen hatte ich eine neue BahnCard erstanden. Und theoretisch wußte ich zwar, daß es besondere Warteräume an großen Bahnhöfen gab, doch nie hätte ich gedacht, daß ich diese einmal betreten würde. Ich war im Vorjahr zwar mehr Bahn gefahren als sonst, aber gar so viel war es mir doch nicht vorgekommen. Doch es war doch mehr, als ich gedacht hatte. Ich hatte die Umsatzschwelle der DB geknackt und war jetzt also ein Jahr lang berechtigt, jederzeit Zutritt zur DB Lounge zu erlangen.
Die DB Lounges sind eine Weiterentwicklung der altehrwürdigen “1.Klasse Wartesäle” aus der Anfangszeit der Bahnen. Ich bin zwar 2.-Klasse-Kunde, doch dank des “Vielfahrerstatus” war ich jetzt offentlich in die erste Liga aufgestiegen.
Seitdem nutze ich dieses Privileg regelmäßig. Wenn ich am Kölner Hauptbahnhof vorbeikomme. Aber auch bei Fahrten nach Düsseldorf, Frankfurt, Stuttgart oder wie kürzlich nach Berlin. Dort überall, und an noch einigen weiteren deutschen Umsteigebahnhöfen, gibt es die Wartesäle mit den roten Ledersitzen, dem reichhaltigen Angebot an Zeitungen, Heiß- und Kaltgetränken sowie neuerdings im Sommer sogar Eis.
Man darf als “Bahn.comfort”-Kunde eine weitere Person mit einladen in die Lounge. Häufig ist das mein Sohn, für den das kostenlos bereitgehaltene Eis in den Sommermonaten die Hauptattraktion ist. Aber auch Eltern, Freunde und Geschäftspartner haben in den vergangenen Monaten in meinem Schlepptau bereits die Annehmlichkeiten im modernen Ambiente an deutschen Bahnhöfen bereits kennengelernt.
Die deutsche Bahn.comfort-Karte berechtigt aber auch zu Besuch entsprechender Warteräume im benachbarten Ausland, in Ländern, die der Bahnallianz der wichtigsten europäischen Gesellschaften angehören. So habe ich auch schon den entsprechenden Komfort in Brüssel und in London genossen, wobei letzterer noch eine Nummer für sich ist. Dort gibt es nicht nur kostenlose alkoholfreie Getränke und Zeitungen, wie in Deutschland, sondern Snacks und selbst Bier. Für alle.
Google StreetView
August 21, 2010Alle diskutieren Google StreetView. Angeblich wundern sich die Schweden über die deutsche Angst vor Google.
Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen. Natürlich ist die schwedische Offenheit gut, das “Allmansrätt” auch, und es ist auch gut, daß man in Schweden (angeblich) die Steuererklärung des Nachbarn einsehen kann, wer immer das auch macht.
Das hat aber überhaupt nichts mit der Kritik an der Datenkrake Google zu tun, die, als privates Unternehmen wohlgemerkt, sich das Recht rausnimmt, alles und jede(n) zu fotografieren und das dann zu veröffentlichen. Wer bei Google StreetView abgebildet sein will, sollte das an Google melden dürfen, und nicht so wie jetzt, wo man sich mühsam bei Google abmelden muß - welch Ehre der Durchlaucht Eric Schmidt, mir zu erlauben, das eigene Haus verpixeln zu lassen. Muß ich ihm dafür jetzt auch die Füße küssen?








